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Der Stellenwert des Büros als Treffpunkt

Der Stellenwert des Büros als Treffpunkt
by
Maarten Stoffels
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Die meisten Mitarbeiter können es kaum erwarten, wieder öfter ins Büro zu gehen. Der mangelnde soziale Kontakt zu Kollegen ist für viele Grund genug, bald wieder mit Freude im Büro zu sein. Dennoch scheinen die Vorteile der Arbeit im Homeoffice dazu zu führen, dass wir künftig im Durchschnitt weniger Tage pro Woche im Büro verbringen möchten. Wir haben Zièd Bahrouni, CEO von Motius, gefragt, wie er diese Entwicklungen und den sich möglicherweise ändernden Stellenwert des Büros wahrnimmt.

Kritisch betrachtet: Die Vorteile der Arbeit von zu Hause aus

Untersuchungen von Toogethr, durchgeführt von der Blue Field Agency, zeigen, dass gut 70% der befragten Mitarbeiter die Arbeit von zu Hause aus mit den Noten gut bis sehr gut bewerten. Insbesondere der Wegfall der Reisezeit zur Arbeit und die Möglichkeit einer flexiblen Arbeitszeiteinteilung sind dabei ausschlaggebende Faktoren. Eines der wichtigsten Ergebnisse ist, dass die Mitarbeiter künftig nur noch durchschnittlich 3,2 Tage pro Woche ins Büro gehen möchten (verglichen mit durchschnittlich 4,7 Tagen vor der Corona-Pandemie). Dies rechtfertigt die Schlussfolgerung, dass die unbestrittenen Vorteile der Arbeit von zu Hause (zumindest vorläufig) stärker wiegen, als der Drang wieder ins Büro zurückzukehren.


Erwartet hatte ich eigentlich, dass die Arbeit von zu Hause aus entspannter sein würde, aber das Gegenteil ist der Fall.


Zièd Bahrouni hat Verständnis dafür, dass die Arbeit im Homeoffice Vorteile mit sich bringt, gleichzeitig beäugt er das Bedürfnis in Zukunft mehr von zu Hause aus zu arbeiten auch sehr kritisch. Das gilt insbesondere in Sachen Produktivität, wo er seine eigenen Erfahrungen der vergangenen Zeit als Grundlage nimmt. „Erwartet hatte ich eigentlich, dass die Arbeit von zu Hause aus entspannter sein würde, aber das Gegenteil ist der Fall. Während man normalerweise noch schnell ein Gespräch bei der Arbeit führen würde, muss jetzt für jegliche Form der Kommunikation eigens ein Meeting eingeplant werden. Hinzu kommt, dass ich durchgehend Slack-Chats erhielt und hauptsächlich damit beschäftigt war, E-Mails zu beantworten. Also haben wir die Situation analysiert und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir im Durchschnitt sogar mehr Zeit in Besprechungen verbracht haben, was letztlich zu Lasten der Produktivität ging.“


Der soziale Aspekt des Büros steht an erster Stelle

63% der Befragten geben an, dass ihnen aktuell der spontane Kontakt zu Kollegen fehlt. Darüber hinaus bedauern es 57% der Befragten, dass sie sich nicht mehr persönlich mit Kollegen oder Vorgesetzten fachlich austauschen können. Zièd Bahrouni geht deshalb davon aus, dass diese fehlenden sozialen Aspekte entscheidend für die Nutzung des Arbeitsplatzes der Zukunft sein werden. „Ich glaube, dass Arbeiten von zu Hause, und zwar über einen längeren Zeitraum, nicht zuträglich für die psychische Gesundheit der Menschen ist. Dies unterstreicht augenblicklich den hohen Stellenwert des Büros.“

Dass bei Motius viele Expats arbeiten, spielt ebenfalls eine Rolle, da das Büro dadurch immer auch zum Treffpunkt für viele ihrer Mitarbeiter geworden ist. „Bei Motius gibt es Mitarbeiter, die aus dem Ausland stammen und daher keine Familie oder Freunde in der unmittelbaren Umgebung haben. Zudem ist es für sie nicht möglich, mal eben nach Hause zu fahren. Das Büro ist der Ort, wo Freundschaften geschlossen werden und das soziale Leben aufgebaut wird. Wenn das jedoch auf der Strecke bleibt, bleibt nicht mehr sehr viel übrig. Dies gilt nicht nur für uns: Ich denke, sobald das Coronavirus im Griff ist, möchten mehr Menschen wieder ins Büro zurückkehren. Vielleicht sogar mehr, als wir uns heute vorstellen können.“


Trendwechsel oder Rückkehr zur „alten“ Normalität?

Die alles entscheidende Frage ist natürlich, ob die gegenwärtige Situation einen solchen Einfluss hat, dass sich der Arbeitsplatz der Zukunft für immer verändern wird (beziehungsweise in einzelnen Unternehmen gar teilweise verschwindet) oder ob wir schon bald „einfach“ wieder zur alten Normalität zurückkehren werden. Die soziale Funktion des Büros wird laut Zièd Bahrouni der entscheidende Faktor sein. „Ich bin der Meinung, dass der soziale Aspekt einer der wichtigsten Gründe dafür ist, ins Büro zu gehen. Deshalb bin ich eher skeptisch, wenn ich jemanden sagen höre, dass Büros verschwinden würden. Unternehmen investieren immer auch in ihre "Kultur" und es gibt viele, die eigens aus diesem Grund ins Büro kommen."


Wir werden schneller als gedacht größtenteils wieder zur alten Situation zurückkehren.


Übrigens ist er auch der Ansicht, dass das Büro genau der Ort bleibt, an dem optimal gearbeitet werden kann. "Wir sprechen derzeit viel über den sozialen Aspekt, aber wie schon gesagt, ist das Büro auch wichtig, um die Produktivität auf einem hohen Niveau aufrechtzuerhalten."


Größere Unternehmen vs. kleinere Betriebe

Abschließend möchte Zièd Bahrouni betonen, dass es seiner Meinung nach künftig auch einen Unterschied zwischen großen Unternehmen und eher kleineren Betrieben geben wird. Obwohl er bestätigen kann, dass größere Unternehmen der Arbeit im Homeoffice wahrscheinlich eher positiv gegenüber eingestellt sind, sieht er durchaus Schwierigkeiten in der Steuerung einer größeren Belegschaft im hybriden Büro. „Und obwohl Unternehmen hierfür immer zugänglicher werden, erwarte ich auch, dass zunehmendes Arbeiten im Homeoffice für große Unternehmen zu Problemen führen wird. Ich denke dabei vor allem daran, den einen Teil der Mitarbeiter, die zur Arbeit kommen möchten, anzuleiten, während der andere Teil sich nicht in den Büroalltag integriert.“


Darüber hinaus führt der Wechsel zwischen der Arbeit im Homeoffice und der Arbeit im Büro auch zu ganz praktischen Problemen. Auch hinsichtlich der Bürogestaltung hat man immer noch das praktische Hindernis, dass ein Arbeitsplatz für einen Mitarbeiter reserviert werden muss, auch wenn diese Person zu diesem Zeitpunkt eigentlich von zu Hause aus arbeitet. Um im Büro alles entsprechend einrichten zu können, muss vorhersehbar sein, wer kommt. Das jedoch steht wieder im Gegensatz zur eigentlichen Idee von Flexibilität.“


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