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Der unumkehrbare Trend zum Fahrrad in Bayern

by
Maarten Stoffels
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In den letzten anderthalb Jahren sind die Menschen zunehmend auf das Fahrrad gestiegen, sei es für den Weg zur Arbeit oder im privaten Alltag. Studien zufolge scheint dieser Trend sich in den nächsten Jahren weiter fortzusetzen. Für Petra Husemann-Roew, Geschäftsführerin beim bayerischen Landesverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), klingt das wie Musik in ihren Ohren. Wir haben sie gefragt, welche Rolle der ADFC bei der Förderung des Radverkehrs in Bayern spielt und wie dessen Aktionen die Umsetzung des Ziels fördern.

Anwalt für bessere und sicherere Bedingungen für Radfahrer

Der wahrscheinlich wichtigste Aspekt, um den Radverkehr erfolgreich zu fördern, ist es sicher zu stellen, dass die Bedingungen für Radfahrende sicher und komfortabel sind. Petra Husemann-Roew erläutert die wichtige Rolle, die der ADFC in diesem Prozess einnimmt. „Wir wollen den Verkehr insgesamt fahrrad- und fußgängerfreundlicher machen. Und unser Hauptziel ist es dabei, mehr Menschen dazu zu bewegen, öfter das Fahrrad zu nutzen. Daher ist Lobbyarbeit bei politischen Entscheidungsträger*innen eine unserer Aufgaben beim bayerischen Landesverband, um so für bessere und sicherere Bedingungen für den Radverkehr in Bayern zu sorgen. Dazu sprechen wir regelmäßig mit lokalen Entscheider*innen, Ministerien, Städten und Gemeinden sowie weiteren Organisationen in ganz Bayern.“

Unser Hauptziel ist es, dass mehr Menschen öfter das Fahrrad nehmen


Mit über 200.000 Mitgliedern, davon mehr als 30.000  in Bayern, ist der ADFC nicht nur ein starker Lobby-Verband, er unterstützt Radfahrende in allen Belangen. „Wir beraten auch hinsichtlich der Fahrradnutzung, das heißt bis hin zum Fahrradkauf, zu Technik und Zubehör. Aber auch in Versicherungsfragen haben wir für unsere Mitglieder immer ein offenes Ohr und verschiedene Angebote. Und nicht zuletzt gehören wir zu den größten Veranstaltern für geführte Radtouren, die direkt über unser Touren- und Veranstaltungsportal gebucht werden können.“

Menschen aufs Rad bringen – mit den richtigen Anreizen

Während das Fahrrad bundesweit, und besonders in Metropolen wie München in den letzten Jahren enorm an Popularität gewonnen hat, geht die Förderung des Radverkehrs bereits auf das Jahr 1979 zurück, als der nationale ADFC gegründet wurde. Die wohl dauerhafteste Kampagne in der Verbandsgeschichte ist die Kampagne „Mit dem Rad zu Arbeit“. Vor über 20 Jahren zusammen mit der AOK Bayern ins Leben gerufen, handelt es sich dabei inzwischen um eine jährliche, bundesweite Kampagne, durch die Arbeitnehmer*innen dazu motiviert werden sollen, innerhalb eines Zeitraums von 4 Monaten an 20 Tagen oder mehr mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Die Aktion startet jeweils im Mai und läuft bis in den August. Und die Zahl der Teilnehmer*innen wächst stetig. Rund 70.000 Mitarbeiter nehmen an der Kampagne in Bayern teil, deutschlandweit sind es sogar über 265.000 Teilnehmende. 

Petra Husemann-Roew erläutert, dass der Erfolg der Kampagne auch der Einbindung strategischer Partner zu verdanken ist. „In ganz Bayern arbeiten wir mit verschiedenen Partnern eng zusammen. Sie unterstützen uns die Kampagne materiell und ideell und sorgen für zusätzliche Aufmerksamkeit. Dabei gibt es innerhalb der Aktion monatliche Wettbewerbe: zum Beispiel ein Aufruf zum Sammeln von Straßenmüll und allem anderen Unrat, der nicht in die Natur gehört. Oder zum Teilen der Momente, Entdeckungen oder Erlebnisse während der Aktion, die den Radfahrern ganz besonders in Erinnerung geblieben sind. Regional werden zudem kleine Events organisiert und Preise an das beste Team oder an die Person mit zum Beispiel den meisten Radkilometern vergeben.“


Fahrradfreundliche Arbeitgeber ausgezeichnet

Arbeitgeber verfügen über die Verantwortung und die Mittel, um eine Verhaltensänderung in ihrem Unternehmen anzuregen. Um Unternehmen, die ihren Mitarbeitern die Nutzung des Fahrrades für den Weg zur Arbeit erleichtern, zu unterstützen und auch zu belohnen, hat der ADFC eigens ein Zertifizierungssystem für fahrradfreundliche Arbeitgeber entwickelt. Inzwischen in einen europäischen Standard überführt, gibt es drei unterschiedliche Stufen von Bronze über Silber bis Gold.

Bei Petra Husemann-Roew melden sich immer mehr Arbeitgeber, die sich ein Audit wünschen. „Abhängig von Gegebenheiten und Qualität der Aktivitäten vor Ort wird eine bestimmte Zertifizierung erteilt. Mit einbezogen wird auch die Art und Weise, wie Unternehmen die Fahrradnutzung gegenüber der Nutzung des Autos fördern. So sprachen wir zum Beispiel mit einer Firma, die Premium-Parkplätze für Mitarbeitende reserviert, die mit dem Rad oder einer Fahrgemeinschaft zur Arbeit kommen. Andere Unternehmenbevorzugen Lieferanten, die ausschließlich mit Lastenfahrrädern ausliefern, was ebenfalls die Fahrradnutzung anregt. Darüber hinaus profitieren Arbeitgeber auch selbst von diesem Prozess, denn im Ergebnis sind radfahrende Mitarbeitende widerstandsfähiger und produktiver, was letztlich dazu führt, dass sie sich im Durchschnitt seltener krankmelden.“

Fahrradtrends in München

Neben der Unterstützung von Unternehmen bei der Herausforderung hin zu „mehr Mitarbeitern auf dem Fahrrad“ ist auch Petra Husemann-Roew davon überzeugt, dass sich der Anstieg des Radverkehrs während der Corona-Pandemie nachhaltig auswirken wird. „Wir gehen fest davon aus, dass sich der Trend pro Fahrrad weiter fortsetzen wird, genauso wie ein Teil der Menschen vermehrt von zu Hause aus (anstelle des Büros) arbeiten wird. Zu den Gewinnern der Corona-bedingten Mobilitätswende gehören laut einer aktuellen bayerischen Studie das Wandern und das Radfahren – vor allem bei jungen Menschen sowie bei Menschen in Großstädten. Daher freuen wir uns, dass beispielsweise die Pop-Up-Radwege in München jetzt dauerhaft vorgehalten werden.“ 

Die Anpassung der Infrastruktur ist eine für die kommenden Jahre entscheidende Entwicklung.

Eine Reihe von Petitionen hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass die Stadt München Radfahrern eine entsprechende Infrastruktur zugesprochen hat, die allerdings auch dringend benötigt wird. „Manchmal ist es einfach nicht deutlich, welcher Bereich der Verkehrsinfrastruktur für Radfahrer vorgesehen ist. Das führt zu Konflikten, etwa wenn sich Radfahrende Wege mit zu Fuß gehenden teilen müssen. Das gleiche gilt für die Straße, wenn der Radweg so schmal oder gar zugeparkt ist, dass auf die Straße gewechselt werden muss. In einigen Fällen kann das sehr gefährlich werden. Die Anpassung der Infrastruktur ist daher eine für die kommenden Jahre entscheidende Entwicklung.“

Trotz alledem möchte die Verbandsgeschäftsführerin betonen, dass der ADFC gerade auch Kampagnen fördert, die für ein verträgliches Miteinander der Verkehrsteilnehmenden werben, statt die immer mehr werdenden Verkehrsteilnehmenden gegeneinander auszuspielen. „Ich freue mich auf die Infrastrukturveränderungen, die in den kommenden Jahren stattfinden werden, damit ein sicheres und besseres Umfeld für alle Verkehrsnutzer geschafft wird. Besonders behält sie dabei kritisch die Verhältnisse für die Gruppe, die sie vertritt, im Blick, nämlich alle Radfahrenden in Bayern.“

Wie der ADFC unterstützt auch Toogethr Arbeitgeber durch die Förderung der Fahrradnutzung. Mit Toogethr Cycles bewegen Sie auf ansprechende Weise mehr Menschen für den Umstieg vom Auto aufs Fahrrad. Möchten Sie mehr über diese smarte Mobilitätslösung erfahren? Kontaktieren Sie uns, wir kommen gerne mit Ihnen ins Gespräch!